Ein Mensch, der knausernd, ob er’s sollte,
ein mageres Trinkgeld geben wollte,
vergriff sich in der Finsternis,
und starb fast am Gewissensbiss.
Der andre, bis ans Lebensende,
berichtet gläubig die Legende
von jenem selten noblen Herrn –
und alle Leute hören’s gern.
Ein zweiter Mensch, großmütig, fein,
schenkt einem einen größeren Schein.
Und der, bis an sein Lebensende
verbreitet höhnisch die Legende
von jenem Tölpel, der gewiss,
getäuscht sich in der Finsternis.
(Eugen Roth)
Oder wie es ein anderer Poet formulierte:
Wenn ich über’s Wasser laufe,
sagen die Leute, „siehst Du, nicht mal
schwimmen kann er“.
(Berti Vogts)
Oder:
Wir hatten vor vielen Jahren (ich war noch aktiver Spieler, es ist also sehr lange her) mal einen Mannschaftsabend der Fußballmannschaft mit geschlossener Gesellschaft in einem Lokal in Neuweiler, da hatten wir einen CD-Spieler aufgebaut und ich hatte zwei CDs von zuhause mitgebracht. Die eine bekam ich wieder, die andere war weg. Nachher habe ich mitbekommen, dass darüber geredet wurde, dass ich ja selbst Schuld sei, überhaupt CDs mitzubringen, ohne sie danach sofort wieder an mich zu nehmen. Wer im Kameradenkreis so etwas macht und eine CD klaut, ist nicht der im Fehler oder bin ich im Fehler? Wir hatten vor drei, vier oder fünf Jahren in unseren aktiven Fußballmannschaften auch Vorfälle in der Kabine, wo Geld weggekommen ist. Auch wenn das mit der CD oben richtig ist, Geld oder Wertsachen waren damals zu meiner aktiven Zeit nie weggekommen!
Es geht darum, ob man „Verantwortung“ für etwas übernehmen will. Beispiel: wenn beim Training oder Spiel im Fußball ein Ball über den Zaun geschossen wird, ist es in Fußballvereinen überall so, dass Ersatzspieler, die sich nicht gerade warmmachen, dafür sorgen, dass der Ball wieder gesucht wird und zurückgeholt wird. Das ist sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn ein Ball nicht sofort gefunden wird, sollte man den Platzwart unterstützen und den Ball mit ihm im Wald suchen gehen. Das hatte in den letzten Jahren nur ein farbiger Spieler, der beruflich jetzt leider in Köln ist, von sich aus und ohne große Aufforderung gemacht, sonst keiner. Der eine genannte Spieler hatte Verantwortung gezeigt.
Zu Zeiten von unserem unvergessenen „Hennje“ (ein ehemaliger Platzwart von uns) hat kein Spieler geduscht, bevor nicht alle Bälle wieder da waren. D.h. es wurde zuerst gemeinsam gesucht, wenn alle ausgegebenen Bälle wieder da waren, ging es zum Duschen. Und dann wurde am Kühlschrank was getrunken, Hennje hatte die „Stobbe“, d.h. die Kronkorken zu den getrunkenen Flaschen, oben auf dem Kühlschrank liegen. Die bezahlten „Stobbe“ wurden entsorgt und ich kann sagen, da blieb nie ein „Stobbe“ liegen, da hat Hennje dafür gesorgt. Das ist Nostalgie einerseits, aber andererseits nur „normal“, warum muss man es überhaupt erwähnen?
