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Finger weg vom Medienstaatsvertrag

In den Debatten einiger „Demokraten“ findet sich oft die Forderung nach Änderung bzw. Kündigung des Medienstaatsvertrages. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk / Fernsehen sei ein „Auslaufmodell“, sei im Grundsatz links-grün-alternativ unterwandert bzw. ausgerichtet und spiegele nicht das Meinungsbild der Öffentlichkeit wider.

Das ruft bei mir Erinnerungen hervor an den unvergessenen und unnachahmlichen Dieter Hildebrandt in seiner Sendung „Scheibenwischer“. Es ging – das ist schon ewig her – um seine satirische Darstellung irgendeiner Veränderung im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR). Das war zu Zeiten von Franz-Josef Strauß. Und Dieter Hildebrandt zitierte satirisch aus dem dann fiktiv geänderten Abendprogramm des BR sinngemäß wie folgt: „20:15 Uhr – Richard Mühlfenzel und Gerhard Löwenthal im Gespräch mit Franz-Josef Strauß – eine kontroverse Diskussion“. Wem die Namen nichts sagen, bitte googlen.

Wenn man heute teilweise private Sender sieht, in welchen auffallend hübsche Moderatorinnen plötzlich „in Politik machen“, immer neue und immer dubiosere „Experten“ mit diskutieren, neue Studien präsentiert werden und Umfragen genannt werden, die in bestimmte Richtungen weisen sollen, selbstverständlich mit einer Art „Sternchenhinweis“ – „ist nicht repräsentativ“, der ahnt, in welche Richtungen das gehen kann.

Da ich sehr sportinteressiert bin, darf ich nur an die unglaublichen Recherchen im Bereich Doping eines Hajo Seppelt erinnern, die diesen echten Journalisten selbst in den Fokus geraten ließen, was als Fakt auch schon sinnbildlich für negative Entwicklungen steht. Solche Reportagen und solcher Investigativ-Journalismus im besten Sinne auf den Müllhaufen einer in den Populismus abdriftenden Gesellschaft? Nun gut, in einer Demokratie darf das Wahlvolk auch darüber entscheiden.

Bitte nicht weniger Demokratie, sondern mehr Demokratie!

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